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Schweiz

Hauptstadt
Bern
 
Fläche
41.285 km²
 
Bevölkerung
7.264.000
 
pro km²
176 Einwohner
 
BIP/Einwohner
US-$
 

Datum & Zeit
23.11.2019
00:22
 
 
+
»
 

Geschichte

Die Gegend um Estavayer war schon im 4. und 3. Jahrtausend vor Christus besiedelt, wie Reste von neolithischen Seeufersiedlungen zeigen. Auch aus der Bronzezeit sind Überreste von Pfahlbausiedlungen ausgegraben worden, die in der Zeit vom 11. bis zum 9. Jahrhundert vor Christus bewohnt waren. Dabei kamen bedeutende Funde (Schmuckstücke, Messer, Handwerksgeräte) zum Vorschein. Während die frühen Siedlungen sich auf das Seeufer konzentrierten, befand sich vermutlich eine eisenzeitliche Siedlung von 800 bis 450 vor Christus auf der Anhöhe an der Stelle der heutigen Altstadt. Eines der bedeutendsten Fundstücke der Gegend ist ein Dolch aus Eisen, der wahrscheinlich zwischen 650 und 550 vor Christus geschmiedet wurde und als Opfergabe diente.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1156 unter dem Namen Stavaiel. Später erschienen die Bezeichnungen Estavaiel (ab dem 12. Jahrhundert), Stavail (1177), Estavaie (1220), Estavaier (1228), Estavayacum (1265) sowie Estavaiez und Estavayel im 13. Jahrhundert. Auch die deutschen Versionen Steviols (1231), Staviolo (1239) und Stäffies (1578) sind überliefert. Der Ortsname geht auf den germanischen Personennamen Stavius zurück.

Über die Ursprünge und das Gründungsdatum von Estavayer-le-Lac ist nur sehr wenig bekannt. Dass die Stadt bereits im Jahr 512 nach Christus von einem germanischen Anführer namens Stavius gegründet worden sein soll, konnte geschichtlich bis anhin nicht belegt werden und ist wohl eher einer Legende zuzuschreiben.

Es wird vermutet, dass Estavayer im 12. Jahrhundert durch den Bischof von Lausanne gegründet wurde. Die frühe Geschichte der Stadt ist stark mit derjenigen der Adelsfamilie von Stäffis (französisch: d'Estavayer) verbunden. Dieses Adelsgeschlecht beherrschte die Region von Estavayer und teilte sich gegen Mitte des 12. Jahrhunderts in zwei, später gar in drei Linien auf. Alle drei Zweige behielten ihren Sitz in Estavayer, und so kam es, dass das Städtchen im Mittelalter drei verschiedene Schlösser besass. Das ursprüngliche Schloss war Motte-Châtel im Westen der Altstadt (existiert heute nicht mehr), ein zweites befand sich im Südosten (man nimmt an, dass die Tour de Savoie zum ehemaligen Schloss gehörte) und das dritte und jüngste Schloss ist das heutige Château des Chenaux. Die Herrschaft Estavayer war aber territorial nicht strikt in drei Teilgebiete aufgesplittert, sondern es bestand meist eine gemeinsame Verwaltung durch die drei Mitherren.

Ab 1245 gehörte das Städtchen zum Herzogtum Savoyen. Es war Residenzort eines von den Savoyern eingesetzten Kastlans. Den Bürgern von Estavayer-le-Lac wurden 1350 gewisse Freiheiten zugesprochen. Am 27. Oktober 1475, während der Burgunderkriege, wurde das Städtchen von den Eidgenossen erobert. In der Folge residierte ab 1488 im Schloss Chenaux ein freiburgischer Kastlan.

Im Rahmen der Eroberung des Waadtlandes besetzte Freiburg 1536 das Schloss Savoie und annektierte dessen Teilgebiet. Gleichzeitig wurde die ehemalige Herrschaft Estavayer in eine freiburgische Landvogtei umgewandelt. Als Vogteisitz diente fortan das Schloss Chenaux. Nachdem 1632 die dritte Linie der Herren von Estavayer ausgestorben war, kam das gesamte frühere Herrschaftsgebiet 1635 in freiburgischen Besitz. Die Landvogtei Estavayer umfasste jetzt sämtliche Dörfer östlich der Stadt, die heute zum Broyebezirk gehören und reichte im Süden über die Ortschaften der heutigen Gemeinde Les Montets bis nach Nuvilly. Als Exklave gehörten auch Delley, Portalban und Vallon zur Vogtei.

Durch schwere Pestepidemien wurde die Stadtbevölkerung um 1600 stark dezimiert. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime im Jahr 1798 war Estavayer-le-Lac während der Helvetik und der darauffolgenden Zeit Hauptort des Bezirks Estavayer, bevor es 1848 in den Bezirk Broye eingegliedert wurde. Die Stadt blieb als einziges grösseres Zentrum weiterhin Hauptort des Broyebezirks.

Basierend auf dem Artikel Estavayer-le-Lac der freien Enzyklopädie Wikipedia unter der GNU Free Documentation License.
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