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Deutschland

Bundesrepublik Deutschland

Hauptstadt
Berlin
 
Fläche
357.027 km²
 
Bevölkerung
82.716.000
 
pro km²
232 Einwohner
 
BIP/Einwohner
US-$
 

Datum & Zeit
30.03.2020
19:08
 
 
+
»
 

Geschichte

Es gibt Hinweise in Form von allerdings noch nicht genauer untersuchten Grabhügeln, dass die Gegend um Hößlinsülz bereits zur Zeit der Kelten besiedelt war. Der Ort Hößlinsülz wurde vermutlich als Rodungsweiler im 11. oder 12. Jahrhundert von den Grafen von Löwenstein gegründet. 1325 wurde er im Würzburger Lehenbuch als Hesenbachsultze erstmals urkundlich genannt, spätere Formen des Namens sind Hesensultz (1335–1337) und Heselensültz (1454). Das mittelhochdeutsche Wort heselîn bedeutet reich an Haselsträuchern. Der zweite Namensbestandteil -sultz(e) oder -sülz soll entweder von dem keltischen Wort Selz für Buschweide oder von dem schwäbischen Wort sulz für schlammig, morastig herrühren, scheint also jedenfalls auf feuchten Boden hinzuweisen. Der Name bedeutet also wohl soviel wie feuchter, an Haselsträuchern reicher Ort. Die Änderung des Namens zum heutigen Hößlinsülz wird württembergischen Ratsschreibern des 16. Jahrhunderts zugeschrieben im Versuch, den mundartlichen Namen ins Hochdeutsche zu übertragen.

Der Ort gehörte verwaltungsmäßig (Gericht und Vogtei) zu Willsbach und damit zur Herrschaft Calw-Löwenstein. Mit dieser gelangte er 1277 an Würzburg, 1281 an die Habsburger, 1441 an die Kurpfalz. Als die Herrschaft Löwenstein 1488 an Graf Ludwig I. von Löwenstein ging, behielt Kurfürst Philipp einige Orte, darunter Willsbach mit Hößlinsülz, für sich und schlug sie dem kurpfälzischen Amt Weinsberg zu. Wie dieses wurde Hößlinsülz 1504 württembergisch.

Es folgten kriegerische Jahrhunderte. Im Bauernkrieg 1525 schlossen sich auch Hößlinsülzer Bauern dem Haufen Jäcklein Rohrbachs an. Während des Dreißigjährigen Krieges ging immer wieder Gefahr von herumstreunenden Soldaten aus. 1632 und 1634, nach der Schlacht bei Nördlingen, suchte die Bevölkerung der umliegenden Dörfer hinter den Löwensteiner Stadtmauern Schutz und verbarg sich schließlich in den Wäldern, als auch das nicht mehr nützte. 1674 wurden preußische Soldaten im Ort einquartiert, während des Pfälzischen Erbfolgekrieges zwanzig Jahre später zogen französische Heere in der Löwensteiner Gegend umher. Nach längeren Friedenszeiten im 18. Jahrhundert brachten die Befreiungskriege 1813 russische Soldaten ins Quartier nach Hößlinsülz.

1816/17 traf das nunmehrige Königreich Württemberg eine schwere Wirtschaftskrise, die Ernte im Jahr ohne Sommer 1816 war fast vollständig ausgefallen. Auch in Hößlinsülz verhungerten Menschen. Im Dezember 1818 wurde der Ort eine eigenständige Gemeinde im Oberamt Weinsberg. Nach der Revolution von 1848/49, während der es in Hößlinsülz ruhig blieb, wurden die alten Gefälle und Zehnten, die in Hößlinsülz Württemberg und teilweise auch den Fürsten von Löwenstein zustanden, in den 1850er-Jahren abgelöst. 1862 wurde die Eisenbahnlinie Heilbronn–Schwäbisch Hall mit Halt im nahegelegenen Willsbach eröffnet. Trotz einigermaßen zufriedenstellender wirtschaftlicher Stellung der Bevölkerung kam es in den 1880er-Jahren zu einer kleinen Auswanderungswelle; rund 20 Personen verließen in fünf Jahren Hößlinsülz nach Nordamerika.

Nach Auflösung des Oberamtes Weinsberg 1926 wurde Hößlinsülz dem Oberamt Heilbronn zugeordnet. Der NS-Staat brachte dem Dorf mit 296 Einwohnern (im Jahr 1939) die Entmachtung des Gemeinderates zugunsten des Bürgermeisters und des Heilbronner NS-Kreisleiters Richard Drauz. Die NSDAP, die erst 1932 nennenswerte Wahlergebnisse in Hößlinsülz erzielen konnte, schloss die Parteimitglieder im Ort als Zelle der Partei-Ortsgruppe Willsbach an. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs nahm Hößlinsülz Flüchtlinge und Ausgebombte aus vielen Orten auf, nach dem Luftangriff auf Heilbronn vom 4. Dezember 1944 auch viele Heilbronner. Im Kampf um Löwenstein am 14. April 1945 wurde die Stadt teilweise über Hößlinsülz hinweg von Artillerie beschossen. Im Dorf wurden ein Wohnhaus und eine Scheune zerstört, sechs weitere Häuser beschädigt. Am Morgen des 15. April besetzten die amerikanischen Truppen Hößlinsülz. Ende 1945 hatte Hößlinsülz 361 Einwohner.

Im Rahmen der „Freiwilligkeitsphase“ der baden-württembergischen Gemeindereform gab es ab Mitte 1970 Fusionsüberlegungen bei den Gemeinden im oberen Sulmtal. Hößlinsülz mit damals 471 Einwohnern hatte wenig Chancen, eigenständig zu bleiben, und musste sich entweder nach Willsbach (spätere Gemeinde Obersulm) oder Löwenstein orientieren. Für Willsbach sprachen eine gemeinsame Genossenschaftsbank und Weingärtnergenossenschaft, für Löwenstein die gemeinsame evangelische Kirchengemeinde, der gemeinsame Bürgermeister seit 1966 und die gemeinsame Grundschule seit 1969. Im September/Oktober 1970 einigten sich die Hößlinsülzer und Löwensteiner Gemeinderäte auf die freiwillige Eingliederung von Hößlinsülz zum 1. Januar 1971. Eine entsprechende Vereinbarung wurde von den Gemeinderäten in Hößlinsülz am 12. November, in Löwenstein am 3. Dezember angenommen; die Hößlinsülzer stimmten in einer Bürgeranhörung am 13. Dezember mit einer Mehrheit von 74 % der 269 Abstimmenden zu. Damit konnte die Eingemeindung am 1. Januar 1971 wirksam werden. Da es eine der ersten Eingemeindungen im Rahmen der baden-württembergischen Gemeindereform war, fand sie starke Beachtung. 1974 wurde das Neubaugebiet Heiligenfeld erschlossen, durch das sich die Einwohnerzahl von etwa 350 auf über 600 erhöhte.

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