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Deutschland

Bundesrepublik Deutschland

Hauptstadt
Berlin
 
Fläche
357.027 km²
 
Bevölkerung
82.716.000
 
pro km²
232 Einwohner
 
BIP/Einwohner
US-$
 

Datum & Zeit
10.12.2018
18:16
 
 
+
»
 

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung von Ichtershausen reicht in das Jahr 948 zurück. König Otto I. beurkundete in jenem Jahr den Tausch einiger Güter, darunter Otrichshusen, mit dem Kloster Hersfeld. 1147 wurde in dem Ort ein Zisterzienserinnenkloster gegründet, dessen markante Klosterkirche St.Georg und Marien (Baubeginn 1133) das Ortsbild noch heute prägt. Diese Klosterstiftung wurde sowohl von Konrad III. als auch dem Bischof Heinrich von Mainz bestätigt. Das Kloster galt als das reichste in Thüringen, bis zu 74 Ortschaften waren ihm zinspflichtig, auch besaß es große Weinberge in der Umgebung.
Philipp von Schwaben wurde im Verlauf des deutschen Thronstreits am 8. März 1198 in Thüringen von der staufischen Partei zum König gewählt und am 6. September 1198 in Ichtershausen durch den burgundischen Erzbischof Aymon von Tarentaise gekrönt.

Während des Bauernkrieges versammelten sich 1525 in Ichtershausen 4.000 Bauern. Von hier aus versuchten sie, die nahe gelegene Veste Wachsenburg zu schleifen, weil sie die dort amtierenden Herren des Fürstlichen Amtes Wachsenburg für ihre schlechte Lage verantwortlich machen. In dieser Zeit wurde auch das Kloster weitgehend zerstört, weshalb die Nonnen nach Erfurt in das dortige Kartäuserkloster flohen. Am 16. Juni 1525 gelangte das Ichterhäusener Klostergut in den Besitz des Kurfürsten Johann.

Im Jahre 1533 erhielt Ichtershausen die Gerichtsbarkeit. Im 17. Jahrhundert sind in Ichtershausen vier Hexenprozesse bezeugt, durch den Dreißigjährigen Krieg und die Pest sank die Einwohnerzahl auf nur noch 230 im Jahre 1642.

Im Jahr 1676 erklärte Herzog Bernhard I. von Sachsen-Meiningen Ichtershausen zu seiner Residenz, die er aber bereits vier Jahre später nach Meiningen verlegte. In diese Zeit fällt der Bau eines bescheidenen Schlosses Marienburg und eines Walls mit zwei Toren um den Ort, der aber heute nicht mehr erhalten ist. 1697 erhielt Ichtershausen das Marktrecht.
1710 ist das Schloss Marienburg aufwendig umgebaut und erweitert.

Von Oktober 1813 bis März 1814 war im Schloss -während der Belagerung der von napoleonischen Truppen besetzten Festung Erfurt durch Preussen, Österreicher und Russen- ein Königlich-Preussisches Reservelazarett eingerichtet. In ihm wurden insgesamt 1.400 preussische Soldaten mit Typhus behandelt, von denen 700 verstarben. Sie wurden nahe Ichtershausen in Gemeinschaftsgräbern beerdigt und 1819 von der Gemeinde durch Errichtung eines Denkmals geehrt: das Preussengrab. Ichtershausen selber verlor 152 Menschen und damit 1/4 seiner Einwohner durch die eingeschleppte Seuche. Das Schloss wurde über Jahrzehnte von der Bevölkerung gemieden.

1862 gründete der Gothaer Wilhelm Wolff und der Iserlohner August Knippenberg in Ichtershausen eine Nadelfabrik, die die weitere Entwicklung des Ortes in den nächsten 130 Jahren bestimmen sollte. In kurzer Zeit wuchs die Einwohnerzahl auf über 1000 (1885: 1959 Einwohner).

1877 wurde im ehemaligen Schloss durch entsprechende Umbauten ein Landesgefängnis errichtet.

Um die zunehmend notwendigen Transporte von Menschen und Gütern nach Ichtershausen abzusichern, wurde im Jahr 1885 eine Eisenbahnstrecke als Stichbahn vom fünf Kilometer entfernten Arnstadt gebaut. 1967 wurde diese Strecke wegen mangelnder Rentabilität wieder eingestellt.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde im Landesgefängnis ein "Progressiver Strafvollzug" eingeführt. Gefangene arbeiteten gegen Entgelt in anstaltseigenen und Betrieben des Ortes.
1938 gab es -bei Belegung mit 530 Gefangenen- eine Bibliothek, Krankenstation und einen hauptamtlichen Anstaltsarzt.
Am 10.4.1945 wurde das Gefängnis unter Waffeneinsatz von US-Truppen besetzt. Die Insassen befreiten sich und verwüsteten die Anstalt.
Nach 1945 weiter Gefängnis. Die Verhältnisse bis 1950 werden vom Chronisten als "kompliziert" bezeichnet. 1953 Umbenennung in "Jugendhaus" (Jugendstrafanstalt), mit Betriebsberufsschule.
1991 wurde die Anstalt geschlossen und von 1993 bis 1997 aufwendig mit 8 Mio DM saniert. Seitdem wieder Strafanstalt für Jugendliche und Zentrale Ausbildungsstätte im Thüringer Strafvollzug.

In der Zeit des Nationalsozialismus war das Landesgefängnis, das für 500 Insassen konzipiert war, mit 634 Gefangenen (1934) überbelegt, vor allem durch politische Häftlinge. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 46 „Ostarbeiter“ Zwangsarbeit in der Nadel- und Stahlwarenfabrik Wolff & Knippenberg verrichten.

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