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Deutschland

Bundesrepublik Deutschland

Hauptstadt
Berlin
 
Fläche
357.027 km²
 
Bevölkerung
82.716.000
 
pro km²
232 Einwohner
 
BIP/Einwohner
US-$
 

Datum & Zeit
20.06.2019
23:19
 
 
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»
 

Geschichte

Sondershausen entwickelte sich aus einer fränkischen Siedlung im 8. Jahrhundert. 1125 wurde Sondershausen erstmals urkundlich erwähnt als Siedlung unter Verwaltung von zwei Dienstmannen des Mainzer Erzbischofs namens Wydego und Remarus. Um 1300, unter den Grafen von Hohnstein (seit 1263 auf der Spatenburg ansässig), erhielt Sondershausen das Stadtrecht. Die Stadt umfasste damals etwa 400 Häuser, die in einem unregelmäßigen Viereck zu Füßen des Schlosses lagen. Seit 1356 war die Stadt im Besitz der gräflichen, dann fürstlichen Dynastie Schwarzburg und Residenz des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen (bis 1918). In diese Zeit fällt auch die erste größere Stadterweiterung, mit der sich die ummauerte Stadt mit der Neustadt und dem Plan genannten Gebiet nach Westen und Osten ausdehnte. Seit 1391 wurde ein Schulmeister in der Stadt ausgewiesen.

1531 bekannte sich die Stadt zur Reformation. Im 16. Jahrhundert begann der Aufbau des Schlosses anstelle der bisher hier befindlichen Burg, der sich bis in das 18. Jahrhundert fortsetzte. 1801 wurde die Hofkapelle Harmoniecorps gegründet, aus der später das Loh-Orchester hervorging. Der Fürstenhof, der zu dieser Zeit das wirtschaftliche und mit seinem Beamtentum auch das soziale Leben der Stadt bestimmte, sorgte auch für weitere kulturelle Einrichtungen. So wurden 1815 das Theater und 1883 das Konservatorium gegründet. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im Westen die Karlstadt angelegt.

1869 erhielt Sondershausen mit dem Bau der Nordhausen–Erfurter Eisenbahn Bahnanschluss. Durch die Kyffhäuserbahn entstand 1898 die Bahnverbindung nach Bad Frankenhausen. Seit Dezember 2006 ist diese Strecke stillgelegt. Die Eröffnung des ersten Kalibergwerks in Sondershausen 1893 markierte den Beginn der Industrialisierung. Der Kalibergbau bestimmte in den folgenden 100 Jahren die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Zwischen 1920 und 1945 war der Landkreis Sondershausen eine thüringische Enklave in der preußischen Provinz Sachsen.

Bereits zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurden politische Gegner aus der Arbeiterklasse verfolgt, jedoch bildeten sich auch Widerstandsgruppen, wie die um Karl Haferung und Kurt Hafermalz, an welche Straßennamen im Wohngebiet Borntal erinnern. Zwischen 1934 und 1944 wurden 360 Frauen und Männer Opfer von im Landeskrankenhaus vorgenommenen Zwangssterilisationen. In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge der jüdischen Gemeinde geschändet. An dieses Gotteshaus, das 1960 abgerissen wurde, erinnert eine Gedenktafel am Einkaufszentrum, das dort heute steht. Aus dem Landessiechenhaus wurde eine noch unbekannte hohe Zahl von Personen in den nationalsozialistischen Krankenmorden, der „Aktion T4“, getötet. Auf dem Hauptfriedhof im Brückental wurde für die Opfer der Zwangsarbeit ein Ehrenhain mit Gedenkstein angelegt. Auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof an der Alexander-Puschkin-Promenade ruhen 80 Tote, davon mindestens 48 Opfer der Zwangsarbeit, unter ihnen 19 Kinder. An alle Opfer des Faschismus erinnert ein 1947 errichtetes Denkmal an der Güntherstraße.

Von 1936 bis 1945 war Sondershausen Garnisonsstadt der Wehrmacht. Die nicht mehr genutzten Kalischächte 3 und 4 wurden 1937/1938 als Heeresmunitionsanstalt ausgebaut, wobei etwa 1.000 Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Weitere Gruppen von Frauen und Männern in hoher Zahl mussten Zwangsarbeit leisten: in der Firma Brunnquell & Co., der Firma Lindner & Co., auf dem Gut in Großfurra. Die Dichte rüstungsrelevanter Betriebe war am Ende des Zweiten Weltkriegs auch die Ursache für schwere Bombenangriffe der Alliierten, die zu schweren Zerstörungen in der Stadt führten.

1952 wurde Sondershausen Kreisstadt des verkleinerten Kreises Sondershausen, der zum Bezirk Erfurt gehörte. Das nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als SAG-Betrieb weitergeführte Kalibergwerk Glückauf wurde ab 1952 Volkseigener Betrieb. Er bildete die Grundlage dafür, dass hier 1970 der VEB Kombinat Kali seinen Sitz erhielt. Nach dem Ende der DDR 1990 wurde in den Jahren 1991/1992 die Kaliförderung schrittweise eingestellt. Die damit einhergehende Deindustrialisierung sorgt bis heute dafür, dass die Arbeitslosigkeit in Sondershausen wie im gesamten Kyffhäuserkreis, der 1994 aus dem bisherigen Kreis Sondershausen und dem im ehemaligen Bezirk Halle gelegenen Kreis Artern gebildet wurde, mit am höchsten in Thüringen ist.
Der zweitgrößte Betrieb Sondershausens war der VEB Elektroinstallation Sondershausen (EIS). Er hatte bis Ende des Jahres 1989 etwa 3200 Beschäftigte.

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