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Deutschland

Bundesrepublik Deutschland

Hauptstadt
Berlin
 
Fläche
357.027 km²
 
Bevölkerung
82.716.000
 
pro km²
232 Einwohner
 
BIP/Einwohner
US-$
 

Datum & Zeit
12.07.2024
19:48
 
 
+
»
 

Geschichte

Der Name Sonneberg wurde 1207 erstmals urkundlich erwähnt. Vermutlich wurde die Siedlung von Ministerialen der Herzöge von Andechs-Meranien unterhalb der Burg Sonneberg gegründet. Nach deren Aussterben 1317 fiel die kleine Herrschaft an die Grafen von Henneberg. Die unterhalb der Burg wohl im 13. Jahrhundert entstandene Stadt wurde 1317 noch unter dem Namen Röthen als Städtchen genannt. 1349 bestätigte und erweiterte die Gräfin Jutta von Henneberg die städtischen Rechte Sonnebergs mit einer Urkunde. 1353 fiel Sonneberg zusammen mit dem nahe gelegenen Coburg an die Wettiner. Rat und Bürgermeister hatten die Niedergerichte inne. Die an der Straße von Coburg nach Saalfeld gelegene Stadt mit der Johanniskirche war ummauert, sie kam 1485 an die Ernestiner, 1572 an Sachsen-Coburg, 1640 an Sachsen-Altenburg und 1672 an Sachsen-Gotha. Von 1826 bis 1918 gehörte Sonneberg zum Herzogtum Sachsen-Meiningen. Die katholische Gemeinde unterstand dem Bistum Würzburg. 1526 begann die Reformation, bald darauf wurde die Lateinschule eröffnet. Seit 1500 ist der Abbau von Wetzsteinen und Schiefer für Schiefertafeln bezeugt. Aus der alteingesessenen Holzwarenherstellung entwickelte sich vom 16. Jahrhundert an die Spielwarenherstellung. Um 1700 wurde mit der Firma Dressel, ab 1873 Firma Cuno & Otto Dressel, der größte Spielwaren-Exporteur in Sonneberg gegründet. Ab 1805 entwickelte sich Sonneberg durch die Einführung des Papiermachés zu einem Spielzeugproduktionszentrum mit Weltgeltung. Durch den Anteil der Sonneberger Produktion am Weltmarkt wurde um 1913 der Begriff „Weltspielwarenstadt“ geprägt. Vor dem ersten Weltkrieg wurden im Raum Sonneberg rund 20 % der auf dem Weltmarkt gehandelten Spielwaren hergestellt. 1901 wurde das Spielzeugmuseum eröffnet, welches 1953 erweitert wurde. Seit 1919 wurden die umliegenden Vororte eingemeindet. Bahnverbindungen bestehen seit 1858 nach Coburg (Bahnstrecke Coburg-Sonneberg), seit 1886 Richtung Neuhaus (Bahnstrecke Sonneberg–Probstzella) und seit 1910 nach Eisfeld (Hinterlandbahn). Im Jahr 1921 eröffneten die Siemens-Schuckertwerke in Sonneberg ihr Kleinbauwerk II, welches 1939 mit 987 Mitarbeitern Installationsmaterial wie Sicherungselemente und Schalter produzierte.

Eine letzte Blüte der Spielwarenindustrie führte in den 1920er Jahren zur Bebauung des Bahnhofplatzes mit repräsentativen Bauwerken. Zuerst errichtete die US-amerikanische Firma Halbourn ein sechsstöckiges Handelshaus, das seit 1925 der AOK gehört. Gegenüberliegend baute im Jahr 1926 die US-amerikanische Kaufhausgesellschaft Woolworth, die schon seit 1880 vor Ort einkaufte, zum Erwerb und Export von Spielwaren und Christbaumschmuck ein Handels- und Lagerhaus. Das fünfstöckige Gebäude mit eigenem Gleisanschluss wurde nach Plänen des Architekten Walter Buchholz errichtet. Es hatte 5.000 m² Grundfläche sowie 100.000 m³ umbauten Raum und war eines der größten Lagerhäuser Thüringens. Das Bauwerk wurde am 11. April 1945 durch die Wehrmacht, kurz vor der US-amerikanischen Besetzung der Stadt, gesprengt. Gegenüberliegend vom Bahnhof errichtete schließlich die Stadt in den Jahren 1927 und 1928 nach Plänen von Karl Dröner ihr neues Rathaus mit einem 40 Meter hohen Rathausturm. In die gleiche Zeit fällt auch in der König-Straße der Neubau des Einkaufshauses der amerikanischen Firma S.S. Kresge & Co. aus New-York mit seiner expressionistischen Architektur sowie im Jahr 1925 die Gründung der Sternwarte Sonneberg im Ortsteil Neufang durch Professor Cuno Hoffmeister.

Bei Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurden Einwohner aus politischen, rassischen und religiösen Gründen verfolgt, mit Gefängnis- und Zuchhausstrafen belegt oder in KZ deportiert. Zu ihnen gehörte der Mitbegründer der KPD-Ortsgruppe Otto Bergner in Köppelsdorf, der mehrmals verhaftet, in das KZ Buchenwald überstellt und schließlich in das KZ-Außenkommando Witten-Annen verlegt wurde, wo er im März 1945 ums Leben kam. An ihn erinnert ein Straßenname. An den Arbeiter Adolf Wicklein, der vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und im Hof des Landgerichts Weimar hingerichtet wurde, erinnerte bis 1990 eine Straße, die seitdem in Marienstraße rückbenannt wurde. In Köppelsdorf regte sich auch Widerstand aus evangelischen Kirchenkreisen gegen das Naziregime, insbesondere gegen die Deutsch-christliche Kirchenleitung. Der Pfarrer Reinhard Metz setzte sich mit Predigten und Briefen für gemaßregelte Pfarrer ein. Ein Mitglied der Bekennenden Kirche (BK) stellte einen Raum in ihrem Fabrikgebäude Friedrichstraße 38 für bekenntnisgebundene kirchliche Jugendarbeit zur Verfügung. Die Juden der Stadt erlitten antisemitische Verfolgung und Deportation, die sie in die Emigration oder in die Vernichtungslager brachte, die nur wenige überlebten. Zwischen 1934 und 1943 wurden 687 Frauen und Männer aus Sonneberg und Umgebung Opfer von Zwangssterilisation.

Im Rahmen der Aufrüstung kam 1937 das Bekleidungsamt der Deutschen Luftwaffe nach Sonneberg, wodurch die Uniformschneiderei die zurückgehende Spielzeugindustrie teilweise ersetzen konnte.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten etwa 4.300 Frauen und Männer vor allem aus der Sowjetunion, aber auch vielen anderen von Deutschland besetzten Nationen Zwangsarbeit vorrangig in der Rüstungsproduktion verrichten: in den Siemens-Schuckert-Werken in Oberlind, bei den Firmen Louis Siegel, I.C. Eckardt, im Zahnradwerk G.E. Reinhardt, der Firma Kopp & Solonot. Im 1944 auf dem Werksgelände von G.E. Reinhardt in der Hallstrasse 39 eröffneten Buchenwalder KZ-Außenkommando Sonneberg arbeiteten unter menschenunwürdigen Bedingungen bis 470 meist juedisch - ungarische Häftlinge. Viele von ihnen kamen bei einem Todesmarsch im April 1945 ums Leben. Entlang der Marschroute wurden zu DDR-Zeiten 13 Metalltafeln angebracht, die an sie erinnern: in der Hallstraße, in der Coburger Straße, am Forsthaus, in der Bettelhecker Straße, in Grünthal am Kiesteich, in Köppeldorf in der Steinacher Straße, in Oberlind in der Johann-Sebastian-Bach-Straße. Auf dem Hauptfriedhof erinnert ein Sowjetischer Ehrenhain an 118 umgekommene Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.

1952 wurde das Land Thüringen aufgelöst und der Kreis Sonneberg dem Bezirk Suhl zugeordnet. Während der DDR-Zeit wirkte sich die Lage unmittelbar an der Innerdeutschen Grenze nachteilig auf die Entwicklung der Stadt aus. 2002 fand in Sonneberg der Thüringentag statt.

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