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Argentinien

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Datum & Zeit
25.06.2019
15:45
 
 
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Geschichte

Carlos Gesell, der gemeinsam mit seinem Bruder in Argentinien eine Kinderwagenfabrik betrieb, erfuhr 1931, dass südlich von Mar del Plata ein zehn Kilometer langer und 1600 Meter breiter Küstenstreifen zum Verkauf stand. Der Preis war äußerst günstig, da Wanderdünen und Flugsand das schlauchförmige Gebiet prägten. Carlos Gesell hatte kurz zuvor das belgische Seebad Oostende besucht und stellte begeistert eine gewisse Ähnlichkeit der landschaftlichen Verhältnisse fest.

Als Kind und Jugendlicher hatte er durch das bewegte Leben seines Vaters Silvio Gesell verschiedene Formen menschlichen Zusammenlebens kennen gelernt, unter anderem eine Landkommune in der Schweiz sowie die von Vegetarismus und lebensreformerischen Ideen geprägte Kolonie Eden bei Potsdam. Impulse, die er dort empfangen hatte, führten zu seinem Lebenstraum, in Argentinien eine alternative Arbeits- und Lebensgemeinschaft zu verwirklichen. Der Küstenstreifen am Atlantik schien ihm dafür die geeigneten Voraussetzungen zu bieten.

Im Frühjahr 1932 begann Carlos Gesell gegen den Widerstand seines Bruders mit der Kultivierung der Dünenlandschaft. Er erbaute ein Holzhaus und versuchte, in der Dünenlandschaft Pinien und Akazien zu pflanzen. Ein gewaltiger Sandsturm begrub diese Anfänge.

Gesell suchte Rat in Deutschland. Ein Agraringenieur, der auf den ostfriesischen Inseln erfolgreich Aufforstungen durchgeführt hatte, beriet ihn. Aber auch ein weiterer Pflanzversuch scheiterte. Gesell kehrte nach Deutschland zurück und überwarf sich mit seinem Bruder. Er ließ sich seinen Geschäftsanteil auszahlen und entwickelte einen neuen Plan, die Dünenlandschaft der Küstenregion zu bepflanzen. Er kaufte Strandhafer in Deutschland und pflanzte ihn nach seiner Heimkehr zunächst auf einem Versuchsfeld an. Erste Erfolge stellten sich ein. Die Dünenlandschaft gewann an Stabilität. Er versucht im Anschluss erneut, Bäume zu pflanzen - mit Erfolg. Die Wanderdünen wurden stabilisiert. Dieses Engagement trug Carlos Gesell den Beinamen Verrückter der Dünen ein.

Die permanente Geldknappheit zwang Gesell, sich nach neuen Einkünften umzusehen. Er versuchte es mit einer Schweine- und Ziegenzucht - ohne Erfolg. Als 1940 einige Hochseeangler aus Buenos Aires zufällig an seiner Küste landeten und dort den überaus großen Fischreichtum entdeckten, entwickelte Gesell die Idee, seinen Landbesitz für den Tourismus zu öffnen. Er baute eine Straße parallel zur Küste, den Bulevar Silvio Gesell, die heutige Haupt- und Geschäftsstraße Villa Gesells. Bereits 1941 wurde das erste Gästehaus, die Pension Sommerschwalbe, gebaut. In einem Zeitungsinserat warb Carlos erfolgreich für sein Paradies der Einsamkeit und nannte es Villa Silvio Gesell.

Es folgten erste Siedler, die Grundstücke pachteten und darauf Häuser erbauten. Geschäfte entstanden und eine Schule wurde gegründet. den Lehrer bezahlte Carlos Gesell aus eigener Tasche.

In der 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde Villa Gesell an das argentinische Verkehrsnetz angeschlossen. Im Ort herrschte Rauchverbot. Alkohol war nur an Festtagen erlaubt und das Glücksspiel generell verboten.

In den 60er Jahren des 20. Jahrhundert entdeckten Künstler Villa Gesell. Maler, Musiker, Fotografen prägten das Ortsbild. Eine Mole, die weit hinaus ins Meer reicht, wurde erbaut. Die Stadt wurde in den 1960er und 1970er Jahren vor allem bei Campern und jungen Leuten beliebt, bis immer mehr Hotels und Vergnügungsstätten erbaut wurde und somit der Massentourismus Einzug hielt.

Carlos Gesell starb 1977. 1971 wurde er von dem deutschen Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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